Arbeitswelt


In einem Vortrag im Rahmen der Pressekonferenz BITKOM-Studie zu Arbeitsmarktlage
und Fachkräftemangel in der ITK-Branche
am 20. Februar 2007 stellt Berchtold, nachdem er eingangs der gestiegenen Erwerbslosigkeit den beanstandeten Fachkräftemangel unversöhnlich gegenüberstellt, die Ergebnisse der Befragung dar. Größtenteils sind die befragten Unternehmen der Meinung, es gäbe einen Fachkräftemangel. Das Hirngespinst entfleucht also nicht ursprünglich der BITKOM. Grund sei nach Angaben der mittelständischen Unternehmen der Missmatch zwischen Anforderung und Qualifikation.

eine ausführliche Rüge richtet Berchtold an die Bildungseinrichtungen. Die Schule solle mehr Interesse für technische Fächer wecken und die Hochschulen sollten sich von theoretischem Ballast befreien und ihre Zöglinge praktischer auf den Beruf vorbereiten.

Zweitens sollten ausländische Arbeitnehmer erleichterten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt finden.

Erst als Drittes richtet er einen Apell an die klagenden Unternehmen:

Als Drittes gilt es, einen Appell an die Unternehmen zu richten. Sich über den
Fachkräftemangel zu beklagen ist eine Sache, dagegen selbst etwas zu tun, eine
andere. Deshalb fordere ich die Unternehmen auf: Schafft Ausbildungsplätze, schafft
Plätze für Berufsakademie-Studenten, kooperiert stärker mit den Hochschulen.
Nicht immer findet sich der ideale Bewerber für einen sehr speziellen Job. Es lohnt
sich aber, in junge Mitarbeiter zu investieren und ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Auf
der anderen Seite verfügen gerade ältere IT-Spezialisten über Erfahrungen, die für die
Unternehmen sehr wertvoll sind. Zwar arbeiten wir in einer sehr dynamischen,
innovativen Branche. Das darf aber nicht heißen, dass Mitarbeiter mit 50 zum alten
Eisen gehören.

Einzig das Fazit will nicht recht einleuchten:

unsere Studie zeigt, dass junge Menschen beste Jobperspektiven in der ITK-Branche
haben. Sie sollten sich auch keine Sorgen machen, dass sie in den so genannten
Schweinezyklus kommen. Den höchsten Stand von Studienanfängern hatten wir im
Jahr 2000 auf der Spitze des Internethypes. Es folgten die Krise und der Abbau vieler
Arbeitsplätze v.a. bei Großunternehmen. Die Anfänger von damals kommen seit ein,
zwei Jahren auf den Arbeitsmarkt. Sie haben alle einen guten Job gefunden. Wer
sucht, der findet – zumindest in der Hightech-Welt.

Hat doch Berchtold selber verdutzt auf die Diskrepanz zwischen Erwerbslosigkeit und Fachkräftemangel hingewiesen. Anscheinend ist die deutsche Ausbildung den Unternehmen zu realitätsfern. Wo nimmt Berchtold die Begeisterung her, junge Menschen für ein Informatikstudium bewegen zu wollen?

Arbeitslos – Arbeitslosengeld beziehend – Arbeitssuchend … Sind das würdige Bezeichnungen für einen Zustand, der sich zutreffender als erwerbslos bezeichnen läßt? Und könnte man das nicht noch hoffnungsvoller als kreditwürdig bezeichnen?

So wie ein Mensch betrachtet wird, verhält er sich und wird er. Wenn man eine Existenz, die Gott für eine kreative Mission und Aufgabe geschaffen hat, als arbeitslos bezeichnet, spricht man dem Menschen eben jene Aufgabe ab. Denn Mensch lebt nicht für die Wirtschaft alleine. Der Begriff erwerbslos bringt es auf den Punkt: Ein Mensch hat kein Geld, um selbständig zu leben und braucht Unterstützung, um in einer Welt, in der Ressourcen wie Wasser und Wohnung nicht mehr umsonst zu haben sind und in der später bestimmt auch die Luft zum Atmen käuflich erworben werden muß, zu leben.

Noch positiver könnte man die Unterstützung, die er erhält als Kredit auffassen. Denn spricht man dem Erwerbslosen wirklich den Willen zu, ein selbständiges Leben zu führen, kann man davon ausgehen, dass er die durch die Unterstützung gewonnene Zeit dazu nutzt, um Pläne zu schmieden, wie er ebenfalls Ressourchen, die andere Menschen brauchen, verkaufen kann.

Klar gibt es Erwerbslose, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen. Dennoch muß man diese Menschen hoffnungsvoll als Humankapital betrachten, anstatt als Schmarotzer, die zu faul zum arbeiten sind. Der stetige Niedergang der SPD wird durch dieses von Schröder (Fordern statt Fördern) gefestigte Menschenbild jedenfalls beschleunigt. Hier sollte sich die Politik wirklich stark bemühen, den Menschen positiver zu sehen. Natürlich sollte auch der Erwerbslose selbst den Begriff Arbeitslos aus seinem Sprachschatz streichen.