Go Seigen vs. Kitani Minoru, 1929 06 03Go Seigen vs. Kitani Minoru, 1929 06 03, Zug 29

Go Seigen ist als einer der bisher besten Go-Spieler bekannt. Nicht ganz so stark wie er aber sehr einflussreich war Kitani Minori, der eine große Menge Profi-Gospieler als Schüler hatte und zu 9-Dan-Niveau brachte. Warum nicht also, wenn man sich ernsthaft mit Go beschäftigen möchte, die Spiele von Go Seigen gegen Kitani Minoru betrachten?

Das erste Spiel zwischen den beiden war direkt eigenartig. Go Seigen fragte vor dem Spiel nach, ob es denn höflich sei, den ersten Stein in den Mittelpunkt (Tengen) zu spielen. Damals hatte man gerade begonnen sich von konventionellen Eröffnungen zu verabschieden und neue Eröffnungen zu entwickeln. Aber anhand der Frage Go Seigens kann man schon erkennen, dass es krass war, eine Partie direkt im Ursprung zu beginnen. Nach dem Spiel meinte er, früher sei in China oft im Mittelpunkt begonnen worden. Anscheinend waren die praktizierenden Philosophen Lao Zi und Konfuzius auch Go Spieler, denn Go meinte, Lao hätte immer im Ursprung und Konfuzius in der Ecke begonnen. Während Konfuzius Lehre allgemein verstanden wurde und einfach war, war Laos Philophie weit gefasst und schwer verständlich. Genauso sei es auch mit ihren bevorzugten Eröffnungen. Es sei schwer, die Mittelpunktseröffnung erfolgreich anzuwenden, aber leichter, in den Ecken zu beginnen.

Dies war aber nicht die einzige Besonderheit dieses Spiels. Go spiegelte jeden Zug seines Gegners am Ursprungspunkt, bis er bei Zug 65 die Symmetrie durchbrach

Go Seigen vs. Kitani Minoru, 1929 06 03, Zug 113Go Seigen vs. Kitani Minoru, 1929 06 03, Züge 111 -

Die Strategie, jeden Zug seines Gegner zu imitieren (Mimic Play) sei keine gute Strategie, meinte Go Seigen, weil man sich dadurch auf das Gebiet seines Gegners begibt, der das Spiel vorgeben kann. Das Endspiel beginnt laut Kommentator des Spiels schon sehr früh, so dass Go Seigen nach seinem Ausscheren ‘nur’ noch dieses zu meistern hat. So kommt es denn zum Fehler bei Zug 113. Go Seigen denkt, das sei ein Zug, den der Gegner unbedingt beantworten muss (Zwingender Zug, Forcing Move) und will dann auf A seine B-Kette anschließen. Kitanin Minoru konterte jedoch mit 114, den Go seinerseits mit 115 beantworten musste. Dadurch erhielt Kitani Minoru die Vorhand (Sente). Hätte Go 114 nicht beantwortet, hätte Schwarz (S) die B-Kette gefangen. Wegen Sente konnte Kitani die Züge 116 und den Gebiet machenden C spielen.